Wieso, weshalb, warum?

Was ist das hier eigentlich für eine Person, die Aber bitte mit ohne... schreibt? Worauf achte ich, was ist mir wichtig? Nachfolgend findet ihr ein paar Worte zu den Dingen, die meinen Alltag bestimmen.

Vegan
Mein und unser Vegan sein hat sich in den letzten Wochen ziemlich verändert. Zwar leben wir genau so vegan wie auch zu Beginn, aber wir sind ruhiger geworden. Am Anfang war ich oft verärgert über Unverständnis in unserem Umfeld, mittlerweile bin ich begeistert, dass die anfängliche Skepsis von Verständnis bis hin zum eigenen Umdenken reicht. Das vegane Leben ist für uns selbstverständlich geworden und nichts besonderes mehr. Ich fühle mich wohl, ich habe nie das Gefühl auf etwas verzichten zu müssen. Mir ist erst neulich aufgefallen, dass ich keinen Gedanken an Fleisch oder Käse verschwende, obwohl ich zu Vegetarierzeiten sehr wohl ab und an Schnitzellust verspürte. Vegan sein tut mir gut und das ist wunderbar. Allerdings erwarte ich von mir auch keine Perfektion mehr, die ich am Anfang sehr stark verspürte. Ich ernähre mich vegan, aber ich gehe davon aus, dass mir (auswärts) immer mal wieder unvegane Dinge unterkommen und ich habe festgestellt: davon geht die Welt nicht unter. Ich bin so vegan, wie es mir gut tut. Und es tut mir sehr gut.

Familienleben
Ich habe großes Glück, dass die Entscheidung für ein veganes Leben mit dem Mann gemeinsam gefallen ist. Sonst wäre es tatsächlich ein wenig schwierig geworden. Ich bin sehr froh über die große Offenheit, die uns von unserer Familie entgegen gebracht wird. Bisher ist kein Zusammentreffen ohne vegane Alternativen für uns ausgegangen. Und wer sich überfordert gefühlt hat, war bisher immer überrascht über unsere mitgebrachten Speisen. Meine Schwiegermutter kreiiert mittlerweile übrigens sogar beeindruckenden veganen Kuchen.

Unsere dreijährige Tochter lassen wir in größtmöglicher Freiheit aufwachsen, ich möchte, dass sie die Entscheidung über ihre Ernährungsweise bewusst und selbstständig treffen kann. Natürlich sind dieser Freiheit auch Grenzen gesetzt: Ich achte darauf, dass meine Definition von gesund nicht unterschritten wird und ich kaufe kein Fleisch. Allerdings hat sie auch noch nie nach Fleisch oder Wurst verlangt, bzw. ist mit der veganen Alternative sehr zufrieden. Im Kindergarten gibt es allerdings Fleisch - unsere Tochter isst dort ganz normal mit. Ich möchte nicht, dass sie sich durch unsere Entscheidung, vegan zu leben, jemals ausgegrenzt fühlt. Sie soll im Kindergarten mit den anderen Kindern mitessen. Sie wird in ein Alter kommen, in dem sie unsere Ernährungsweise hinterfragt und eine eigene Position bezieht.

Bloggen und Alltagstauglichkeit
Eins ist klar: Wer sich vegan ernährt, dem fehlt die Möglichkeit Fertiggerichte zu konsumieren und mal schnell eine Tiefkühlpizza aufzubacken. Zugegebenermaßen waren Tiefkühlgerichte, Döner und gelieferte Pizza früher fester Bestandteil unseres Speiseplans. Nicht überwiegend, aber in der Präsenz nicht zu verleugnen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Kaum dreckiges Geschirr! Mittlerweile kochen wir fast ausschließlich selbst und wer damit beginnt, der wälzt Kochbücher. Ich habe eine große Schwäche für Kochbücher und das Kochbuchregal platzt aus allen Nähten. Natürlich finden sich in all diesen Büchern wunderbare Rezepte, tolle Anregungen und viele Möglichkeiten vegane Gerichte zu kochen. Ich habe eine richtige Begeisterung fürs Kochen entwickelt und aus dieser Begeisterung ist dieser Blog entstanden.

Im Laufe der Zeit ist meine Begeisterung zwar nicht gesunken, jedoch meine realisitische Einschätzung dessen, was ich da tue, gestiegen. Wir haben so viel Geld für so viele Zutaten und vegane Ersatzprodukte ausgegeben, die zwar schön, aber im Alltag nicht nötig sind. Ich habe so viel Zeit in Vorbereitungen, Garzeiten, Abwaschen, Putzen und Aufräumen sowie anschließendes Bloggen gesteckt, dass es nicht mehr im Verhältnis zur Berufstätigkeit stand. Wir haben außerdem gemerkt, dass viele Dinge zwar uns, aber leider nicht unserer Tochter schmecken, auch wenn wir uns das sehr gewünscht haben.

Nicht zuletzt aus diesen Gründen ist unser Essen einfacher geworden, es enthält weniger Zutaten und benötigt weniger Zeit. Es ist trotzdem immer selbst gekocht, frisch und lecker. Nur verblogge ich nicht die zehnte Kürbis- oder Steckrübensuppe und nicht die fünfzigste Gemüsepfanne, die sich jeder selbst bastelt, oder so oder so ähnlich bereits von mir kennt. Die Quantität meiner Posts ist daher in der letzten Zeit stark gesunken. Ich bin eigentlich ganz froh darüber und genieße es im Urlaub und am Wochenende in den Kochbüchern zu stöbern und tolle Dinge auszuprobieren, wenn es passt und Spaß macht. 

Regional und saisonal
Natürlich bedingt das eine das andere. Den Großteil unseres Gemüseeinkaufs haben wir bis vor einiger Zeit auf dem Wochenmarkt erledigt. Aus Gründen der Bequemlichkeit erreicht uns mittlerweile Woche für Woche eine wunderbare Ökokiste, die natürlich überwiegend mit saisonalem und regionalem Gemüse gefüllt ist. Im Sommer bekommen wir viel Gemüse aus dem Garten meiner Schwiegereltern. (Update: Seit diesem Jahr betreiben wir zusammen mit Freunden einen Saisongarten und sehr gespannt, wie die Ernte ausfallen wird!) Den Wochenmarkt besuchen wir immer noch und wohnen mittlerweile fast nebenan, so dass der regelmäßige Besuch auch ohne große Wege funktioniert.

Ich bin in der Hinsicht regional und saisonal so konsquent, wie es mir gut tut. Das heißt: Ich bevorzuge im Herbst/Winter Kürbis/Steckrübe/Pastinake und Co und verzeichne im Frühling/Sommer einen hohen Verzehr von Spargel/Zucchini/Aubergine/Tomate und Co. Ich versuche mich bei Südfrüchten zurückzuhalten oder zumindest die fair gehandelten Alternativen zu kaufen. Es gibt aber auch im Winter immer mal wieder Tomaten in unserem Gemüsevorrat, weil sie mir nunmal sehr gut zu meinem Brot schmecken.

Bio
Ich bevorzuge ökologische erzeugte Lebensmittel, aber ich bekomme keine Krise, wenn etwas nicht bio ist. Regional und saisonal ist mir deutlich wichtiger, allerdings ist das dann eben häufig auch bio, oder zumindest eine Form von konventioneller Landwirschaft, die für mich in Ordnung ist. Das gilt für mich für Obst und Gemüse. Milchprodukte, die wir ab und zu für unsere Tochter kaufen, sind allerdings ausschließlich bio und da gibt es auch keine Kompromisse.

Fair Trade
Bei Schokolade, Kakao und Co ist Fair Trade für mich ein Ausschlusskriterium. Gibt es keine faire Schokolade, kaufe ich in der Regel keine Schokolade und dass, obwohl ich als Schokoladenfreund durchaus über die Grenze meiner Familie bekannt bin. Südfrüchte, Zucker und Co existieren in unserem Vorrat überwiegend aus fairem Handel. Bei Kaffee haben wir eine wunderbare Bezugsquelle gefunden.

Fleisch- und Käseersatz
Ein Freund von Fleisch-, Wurst- und Käseersatzprodukten bin ich nicht. Zu Beginn der veganen Ernährung haben wir alle möglichen verrückten Produkte getestet, die meisten allerdings mit unbefriedigendem Ergebnis. Nur weil ich etwas "ganz lustig" finde, muss ich es nicht konsumieren.

Dazu kommt, dass ich Fleisch und Wurst noch nie sonderlich gerne mochte. Wozu also etwas ersetzen, das man eigentlich nicht mag? Soja-Produkte sind das einzige, was bei uns in verschiedenen Formen immer mal wieder auf dem Teller landet, allerdings sehr unregelmäßig. Käseersatz ist sowieso ein Thema für sich. Es gibt ein paar Produkte, die ich schätzen gelernt habe. Diese sind allerdings relativ teuer und landen nur zu besonderen Anlässen (Geburtstagsbrunch) in unserem Einkaufskorb.


Konsequenz
Der letzte und nicht unwichtige Punkt...wie konsequent achte ich auf all meine Prinzipien. Den Anspruch in jeder Hinsicht konsequent vegan zu leben, setze ich aktuell sicherlich nur zum einem Teil um. Es gibt bei mir eine Grenze der alltäglichen Machbarkeit, die an einem Punkt statt findet, an dem ich mich unwohl fühlen würde. Wenn zum Beispiel jemand mit mir auf ein schönes Ereignis anstoßen will und der Sekt mit Sicherheit nicht vegan ist. Wenn die Alternative im Restaurant Salat mit Essig-Öl-Dressing ist und ich nicht wissen kann, ob der Essig vegan ist. Das ist ein Punkt, an dem ich mich nicht mehr sozialkompatibel fühlen würde und das auch nicht will. Man möge mir hier Inkonsequenz vorwerfen - ich kann damit leben.

Kommentare: